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Mit VW-Bullis rund um die Welt

Der echte Reisende ist immer ein Landstreicher, mit den Freuden und Versuchungen und der Abenteuerlust
Konfuzius

Mit VW-Bullis rund um die Welt

T1: Aufbruch mit >Methusalem<

Während ich unseren rot-weißen VW-Bus ins Abenteuer lenkte, schwofte die Welt zu ABBA’s >Waterloo< und Deutschland feierte sich zum zweiten Mal als Fußballweltmeister. Längst schon hatte Jimi Hendrix beim Monterey Pop Festival seine Gitarre abgefackelt und Kultfilme wie >Die Wilden< und >Easy Rider< hatten brave Bürgerkinder zu wilden Rebellen oder bunten Blumenkindern gemacht. Auch wir wollten dabei sein und brachen mit einem T1 Bulli, Baujahr 1961, auf dem >Hippie Trail< nach Kathmandu und Goa in Indien auf.
Das war 1972 gewesen.
Nach der Rückkehr von Indien war für uns klar: wir steigen aus.

Foto & Copyright : Dieter Kreutzkamp

Auf diesen 26. April 1975 hatte ich zielstrebig hingearbeitet; Langstreckenlauf seit ich zwölf war, Karatetraining, Aikido-Kampftechnik, mehr als 1000 Kniebeugen täglich, Marathonläufe, Yogaübungen und dann für den Jagdschein gebüffelt. Man weiß ja nie... Mein Boss staunte, als sich der 29jährige Regierungsamtmann entlassen ließ. Aber es lag Aufbruchstimmung in der Luft. Auch Juliana, mit der ich seit dem Woodstock-Auftritt von Joe Cocker, Jimi Hendrix und The Who verheiratet bin, hängt ihren Beruf als Kindergartenleiterin an den Nagel. Unser 14 Jahre alter >siegellackroter< VW-Bulli mit Namen >Methusalem< ist von nun an unser Zuhause.
Foto & Copyright : Dieter Kreutzkamp 

Auf diesen 26. April 1975 hatte ich zielstrebig hingearbeitet; Langstreckenlauf seit ich zwölf war, Karatetraining, Aikido-Kampftechnik, mehr als 1000 Kniebeugen täglich, Marathonläufe, Yogaübungen und dann für den Jagdschein gebüffelt. Man weiß ja nie... Mein Boss staunte, als sich der 29jährige Regierungsamtmann entlassen ließ. Aber es lag Aufbruchstimmung in der Luft. Auch Juliana, mit der ich seit dem Woodstock-Auftritt von Joe Cocker, Jimi Hendrix und The Who verheiratet bin, hängt ihren Beruf als Kindergartenleiterin an den Nagel. Unser 14 Jahre alter >siegellackroter< VW-Bulli mit Namen >Methusalem< ist von nun an unser Zuhause.

Foto & Copyright : Dieter Kreutzkamp


Foto & Copyright : Dieter Kreutzkamp
Jahrelang hatten wir für diesen Traum gespart. Vorsichtig geschätzt, sollte uns der Inhalt unseres Sparstrumpfs drei Jahre lang um die Welt bringen: zunächst runter bis Südafrika, dann samt Bulli per Schiff nach Australien, später weiter nach Südamerika und die Panamerikana hoch bis Alaska - mein Traumziel.
Doch bald schon verabschieden wir uns von Zeit- und Routenplänen. Die Regenzeit beginnt, nur mühsam lässt Afrika uns vorankommen.
Letztlich beschließen wir, uns im Konvoi mit anderen Globetrottern auf der legendären Obo-Piste bis in den Sudan und Kenia durchzuschlagen. Einreisepapiere hat keiner, und Benzin gibt es auf den nächsten 3000 Kilometern auch nicht. Gefährlich geht Methusalem in die Knie, als wir in ihm 485 Liter Reservesprit bunkern.
Der Autorahmen hält den Strapazen nicht stand und bricht, mit Schneeketten glitschen wir von Schlammloch zu Schlammloch und schaffen in zehn Stunden >Fahrt< doch nur 25 Kilometer.

Und der Bulli rollt und rollt: von Marokko nach Nigeria, über Zentralafrika nach Kenia und weiter bis Kapstadt. Dann über die Ostroute Afrikas - Kenia, Äthiopien, Sudan, Ägypten - zum Mittelmeer. Weiter geht es auf dem Landweg über Iran, Afghanistan und Pakistan.

Ein Jahr später erreichen wir Indien.
Ein island hopping mit Auto durch die Inselwelt Südostasiens wäre unerschwinglich gewesen. Und so schenken wir Methusalem im Gegenzug zum offiziellen Ausreisestempel dem nepalesischen Zoll.

T2: >Stanislaus< - American Dream
 
Ich hatte mich auf dieser Reise um die Welt verändert, Freiheit und Ungebundenheit waren mir wichtiger den je. Den Gedanken an eine Rückkehr verdrängte ich. Da wir nun keinen Bulli mehr hatten, fuhren wir 12.000 Kilometer per Fahrrad durch Australien, brausten monatelang auf einer 350er Honda durch Japan und bestiegen den Fudschijama. Als wir nach 1260 Tagen Weltreise San Francisco erreichten, kauften wir einen VW-Bus der zweiten Generation, den wir >Stanislaus< nannten.
Die Ereignisse im Sommer des fünften Reisejahres veränderten unser Leben: am 13. Mai kauften wir im kanadischen Ontario für nur 90 Dollar ein gebrauchtes Kanu. Noch im selben Sommer paddelten wir 1000 Kilometer auf dem Churchill River in Richtung Hudson Bay. Ich hatte mich nie zuvor freier gefühlt als hier.

Foto & Copyright : Dieter Kreutzkamp


Foto & Copyright : Dieter Kreutzkamp
>Sechs Jahre on the road<. Undnoch immer treibt uns die Neugier voran, der Begriff >Reisemüdigkeit< existiert nicht in unserem Vokabular. 
Juliana und ich sind jetzt ein völlig aufeinander eingespieltes Team.
Im siebten Jahr unserer Weltreise bringt uns der Bulli nach La Loche in Saskatchewan, von wo aus wir zu einem 3500 Kilometer-Kanumarathon auf Athabasca-, Slave- und Mackenzie River zur Beaufort See aufbrechen. Nach 88 Tagen erreichen wir das Nordpolarmeer.

Sieben Jahre sind wir on the road: Sieben Jahre Abenteuer non stop. Aber jetzt ist unser Sparstrumpf leer. Ich möchte in Kanada bleiben, Juliana zurück nach Deutschland.
Diesmal folge ich ihr.

Deutschland ist mir fremd, und ich bin ein Fremder in Deutschland.

Es war an einem Frühlingstag, als Juliana mir nachdenklich ins Gesicht sah: „Du hast heute den Ruf der Wildgänse gehört..!“ „Ja!“, sagte ich. „Dann fahr noch einmal los..“! Ich kaufte ein Faltboot, flog nach San Francisco, fuhr 7000 Kilometer nach Norden, wo ich auf dem Yukon River 2500 Kilometer quer durch Alaska bis zum Beringmeer paddelte. Danach wusste ich, wohin ich gehöre und kehrte zu Juliana zurück.


Foto & Copyright : Dieter Kreutzkamp

T3: Mit >Jack London< zum Klondike
Es ist jener Sommer, in dem der erst 17jährige Boris Becker in Wimbledon siegt und Joschka Fischer erster
>grüner Minister< wird.  Auch bei uns ändert sich einiges; Bettina tritt in unser Leben ein.
Als sie sechs Monate alt war, fand ich es an der Zeit, sie ins Abenteuer einzuführen. Wir flogen nach Kanada, kauften einen allradgetriebenen VW-Bus, einen T3, und durchstreiften zu dritt einen Sommer lang Westkanada und Alaska. Es war in der sternklaren Nacht am Lagerfeuer in den Rocky Mountains, als in mir eine Idee keimte: eine Weltreise mit Kind! Schließlich gibt es auch in Kanada, Neuseeland und Australien Pampers.

Als Bettina zwei Jahre alt war, brachen wir erneut auf: zunächst nach Australien, später zockelten wir gemächlich mit zwei Pferden und Kutschwagen monatelang durch Neuseeland. Doch es war klar, dass das Ziel dieser zweiten Weltreise nur Alaska heißen konnte. Derweil spielte Bettina mit krausköpfigen Melanesiern auf Fidschi und besuchte in San Francisco, Vancouver und Antigua/Guatemala die Vorschule.
Fast zwei Jahre lebten wir mit ihr in Blockhütten in der Mitte Alaskas, ein Jahr davon am Yukon River.


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T4: >Kookaburra< und die Umrundung Australiens

Fast auf den Tag genau 30 Jahre nach unserem Aufbruch auf den Hippie Trail nach Indien umrunden
wir mit einem VW-Bus der vierten Generation Australien auf dem Highway >Number One<.  

Bettina – mittlerweile ein Teenager - ist mit von der Partie.

Wir starten in Sydney.  Vor uns liegen gut 20.000 Kilometer Abenteuer.

Foto & Copyright : Dieter Kreutzkamp

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Australia’s Number One schmiegt sich an die Außenkante des Kontinents, schlängelt sich in die Tropen, durchzieht die staubtrockenen Wüsten des Outback und wagt sich 7000 Kilometer durchs menschenleere Western Australia.

Ohne jegliche Panne erreicht unser Bulli wieder Sydney.

Ende einer Traumreise auf einer Straße die genau das im Schilde führt, was sie ist: die >Number One<.

T5: Die Lust nach Neuem, oder: die Entdeckung des >Neuen Europa<

Jetzt kenne ich Afrika, Australien, Asien und Amerika fast so gut wie meine Westentasche.
Und Europa? Dessen Osten zwischen Karpaten und St. Petersburg ist noch immer ein weißer Fleck auf meiner Landkarte.
 Als die Europäische Gemeinschaft am 1.5.2004 auf 25 Länder anwächst, brechen wir im PS-starken T5 auf, um zwischen Adria und Baltikum das >Neue Europa< zu entdecken.

Foto & Copyright : Dieter Kreutzkamp


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Es ist kein >Hals-über-Kopf–rein<-Abenteuer.
Auch nicht ganz unbefangen, denn während meiner Schulzeit hatten Geographiepauker mir zwar viel über Südamerika und Australien beigebracht, aber nichts übers Baltikum und Polen, geschweige denn übers ehemalige Ostpreußen.
Danzig, Marienburg und Riga heißen einige Stationen dieser Reise.
Fast 40 Jahre nach unserem ersten Start ins Abenteuer mit Bulli >Methusalem< ist das slowenische Städtchen Piran der Südpol dieses großartigen Trips durchs >Neue Europa<.



Text Copyright: Dieter Kreutzkamp

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