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Bettina: Weltreise statt Kindergarten

Vier Jahre nach meiner ersten Weltreise 

überkam mich jene unwiderstehliche Unruhe, die den Grizzlybären in den Rocky Mountains Ende April durchfährt.

Wenn er spürt, dass die Zeit der Winterruhe vorbei ist und die Weite der Tundra lockt.

Allerdings war im Frühjahr 1986 Bettina in unser Leben getreten.
Als sie sechs Monate alt war, fand ich, dass es für sie an der Zeit sei, Kanada und Alaska kennen zu lernen. 

 Foto & Copyright : Dieter Kreutzkamp

 Foto & Copyright : Dieter Kreutzkamp
Zu dritt flogen wir an den Rand der Rocky Mountains, um einen Schnupper-Sommer lang die wildesten Regionen Kanadas und Alaskas zu durchstreifen.

Und Bettina?

 Nun… ihr wonniger Gesichtsausdruck auf Fotos spricht Bände;
schließlich sind die Teddybären hier echt,
und Pampers gibt’s in jedem Shop am Alaska Highway.

Nur wenige Straßen durchziehen die Nordlandwildnis

Der Alaska Highway ist die Hauptschlagader, von der aus sich rechts und links, wie feine Lebensadern, Wildnispisten durch die Wälder schlängeln. Die Canol Road, entlang der vor 65 Jahren eine Ölpipeline entstand, ist die abenteuerlichste.

Es ist bereits dämmrig, als wir neben der Fahrbahn elf alte Militär-Trucks sehen, säuberlich aufgereiht. Pflanzen kriechen aus motorlosen Kühlerhauben, die wie tote Münder grinsen, Vögel nisten in verbeulten Fahrerkabinen. An der Grenze zu den Northwest Territories wird die Weiterfahrt zum echten Abenteuer; 
 Foto & Copyright : Dieter Kreutzkamp


so, als sei die Zeit stehen geblieben, treffen wir auf einen vor einem Menschenleben in der Tundra verreckten Lkw. Ein anderer Truck dient als Brückenbefestigung.

Foto & Copyright : Dieter Kreutzkamp

Einen Sommer lang durchstreiften wir mit Baby Bettina im  T3-Bulli West-Kanada und Alaska. Im September erreichten wir den Yukon River. Silbern stand der Mond über dem Fluss, weiches Nordlicht tanzte über den Himmel. Bären schlugen sich mit Beeren und Lachsen noch einmal kräf­tig die Wän­ste voll.
Der Winter stand vor der Tür. Auch für uns war es an der Zeit, mit den Zugvögeln nach Süden zu ziehen.

Bereits auf dem Heimflug schwärmte ich Juliana von einem Winterabenteuer in Alaska vor.
Einen geländegängigen VW-Camper hatten wir ja…

Bettinas Kinderzimmer ist die Welt.


Am 2. April 1988 berichtete Die Bild-Zeitung über uns:
Die Wohnung wird aufgelöst, ein Teil der Möbel bei Verwandten untergebracht.

Kreutzkamp: >Wir starten am 5. August. Im Flugzeug geht’s zu Freunden in Australien. Wir haben jetzt schon kofferweise Spielzeug, Teddybären und Bücher vorgeschickt, damit Bettina nichts vermissen muss.<

Foto & Copyright : Dieter Kreutzkamp

Foto & Copyright : Dieter Kreutzkamp
Neuseeland wird mit Pferd und Wagen erkundet, Südsee, Nordamerika, Feuerland, die Galapagos-Inseln, China stehen auf dem Programm.

Dieter Kreutzkamp:
>Herbst und Winter verbringen wir in einer Blockhütte in Alaska bei Temperaturen um minus 50 Grad.<...

Auf dem Schwarzweißfoto neben diesem Artikel zeigt unsere zweijährige Bettina aufgeregt mit ausgestrecktem Zeigefinger auf einen Globus,
während Teddy >Kalle Brummel< das Szenario wohlwollend beäugt.

Foto & Copyright : Dieter Kreutzkamp

Nach 800 Tagen Weltreise  durch Neuseeland, die Südsee, Mittel - und Nordamerika
notiert Juliana in unser Tagebuch:


Foto & Copyright : Dieter Kreutzkamp

>Nachts sternklar, Morgenröte bis zehn Uhr vormittags.    Minus 28 Grad, tagsüber Sonnenschein, windstill.
Schnee    kracht unter den Schuhsohlen.<

Drei Tage zuvor war in der Bild-Zeitung im fernen    Deutschland eine kurze Notiz erschienen:
>Weltenbummler Dieter Kreutzkamp, seit 27 Monaten mit Frau Juliana und Töchterchen Bettina in der Welt unterwegs, hat sich’s jetzt in einer Blockhütte in Alaska bei minus 10 Grad gemütlich gemacht. 


Er schieb an Bild:
  >Vor der Tür heulen hunderte Huskies, wir haben schon tolle Hundeschlittenfahrten gemacht. Bettina backt mit Muttern Sauerteigbrot (der nächste Laden ist 300 Kilometer entfernt) und baut Schneemänner.<
Ich war in den Bildern meiner Jungenträume angekommen.

Genau im Zentrum Alaskas, dort wo es am kältesten und einsamsten ist, wo der Fortschritt die Tradition und Besinnlichkeit noch nicht verdrängt hat, liegt das Dörfchen Manley Hot Springs mit 80 Ein­wohnern und 500 Schlittenhunden, die pro Winter 20.000 Lachse verputzen.
Ein Kaff wie viele andere auch in Zentral-Alaska.

Foto & Copyright : Dieter Kreutzkamp
Wieder mal ist das Glück auf unserer Seite, wir finden ein Blockhaus, von dem an klaren Ta­gen der Blick zum 240 Kilometer entfern­ten Mt. McKinley reicht. Einen Tag vor Heiligabend fängt es an zu schneien. Es schneit durchgehend bis nach Weihnachten. 

Foto & Copyright : Dieter Kreutzkamp
Bettina fürchtet, der Weihnachtsmann würde den Weg zu uns nicht finden. Also trete ich stundenlang mit Schneeschuhen einen Pfad zum Haus... mit Erfolg.
Ab März beginnt das Leben erneut zu erwachen.
Unser Auto, das während des Winters wochenlang einen eisigen Dornröschenschlaf gehalten hatte, kriecht unter einer meterdicken Schneehaube vor.
Es ist, als taute gegen Ende des Winters alles Leben auf.

Knarrend öffnen sich Blockhaustüren und etwas tapsig - wie Bären nach dem Winterschlaf - recken die Bewohner vorsichtig die Nasen in den Wind.

Alaska hatte uns drei gepackt.

Und so werfen die weiteren Reisepläne über den Haufen und beschließen, einen weiteren Winter in Alaska zu verbringen.

Bettina besucht jetzt die preschool und ist voll in die Kinderschar des kleinen Ortes integriert. In ihrer Freizeit kuschelt sie mit Beetle, Button und den anderen Schlittenhunden.
Ein Jahr später nehme ich auf eigene Faust am längsten Schlittenhunderennen der Welt teil: dem Iditarod. Startpunkt des 1860 Kilometer langen Rennens ist Anchorage, Endpunkt ist Nome am Beringmeer.   


Foto & Copyright : Dieter Kreutzkamp

Fast vier Jahre war Bettina mit uns um die Welt gereist. 


Foto & Copyright : Dieter Kreutzkamp


Jetzt mussten wir uns sputen: 


Wenige Monate später wird sie in Deutschland eingeschult…



Text Copyright: Dieter Kreutzkamp

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